DRK Waldenbuch

Für Sie aktiv in Waldenbuch – Aus Freude am Helfen

1930 – 1935

Am 3. November 1929 landete das Luftschiff „Graf Zeppelin“ in Böblingen. Auf dem Flugplatz fanden sich damals etwa 100.000 Menschen ein, um das Ereignis mitzuerleben.

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Zu dieser Zeit gab es noch wenige Omnibusse. So fuhr die Mehrheit der Schaulustigen auf offenen Lastwagen nach Böblingen. Ein solcher Lastwagen kam kurz vor Waldenbuch ins Schleudern und wurde aus der Kurve getragen. Bei diesem Unfall gab es viele Verletzte, auch Tote waren zu beklagen.

Ein einziger Arzt, Stadtrat Dr. Wiese, versorgte damals allein eine große Zahl Verletzter, keiner der Schaulustigen konnte ihm dabei helfen. Aus diesem Anlass bemühte er sich in Waldenbuch eine DRK Ortsgruppe zu gründen.

Im Winter 1929 – 1930 wurde die Bevölkerung von Dr. Wiese und Oberlehrer Laiblin aufgerufen, an einem Erste Hilfe Kurs teilzunehmen. 15 Interessierte folgten diesem Aufruf. Diese erste Gruppe legte den Grundstein unseres Ortsvereins.

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Das Ehepaar von Haider führte diese Gruppe. Danach übernahmen Wilhelm Ruckh, Hasenhof und Frau Heye von der Liebenau die Führung bis 1945.

Unser erster Bereitschaftsraum befand sich über dem Eiskeller der Lammbrauerei in Waldenbuch. Als Ausstattung hatten wir zwei Tragen, fünf Decken und einen alten Schrank.

Angespornt durch unsere Arbeit, fanden immer mehr Menschen Interesse an unserem Dienst am Nächsten. Auch aus Nachbargemeinden kamen Interessierte. Jeden Sonntag trafen wir uns in unserem Bereitschaftsraum zum Bereitschaftsdienst. Auch in Vaihingen wurden wir zu Diensten eingesetzt, da wir bis zum 30. September 1938 zum Oberamt Stuttgart gehörten. Unsere Bezeichnung war Kolonne Filder-Süd.

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1935 setzte sich Herr Dr. Wiese dafür ein, uns einen Krankenwagen zu beschaffen. Bei unserer Kolonne, Sitz Vaihingen, wurde ein neuer Krankenwagen angeschafft. Der alte wurde uns zum Kauf angeboten. Es war ein Wagen Baujahr 1921, rechtsgesteuert mit Kulissenschaltung.

Wir erwarben ihn für 750,- RM, die durch Spenden von Stadt und Bevölkerung finanziert wurden. Der Wagen hatte zwei Liegen und sieben Sitzplätze. Er verbrauchte 35 – 40 Liter Benzin auf 100 Kilometer.

Die erste Fahrt dieses Wagens fand am 28.Mai 1935 statt und führte von Unteraichen nach Stuttgart ins Marienhospital. Die Einsätze fuhren nach Wocheneinteilung die Rotkreuz-Kameraden: Hechler, Fuchs, Weinhard und Keil.

 

1935 – 1945

Zu dieser Zeit gab es einen sehr starken Zustrom zum DRK, denn die Leute mussten sich bei irgendeiner Organisation melden oder Dienst tun. Einige wollten nicht zur NS-Partei und suchten Unterschlupf bei uns. Die damalige Mitgliederstärke war über 50 aktive Kameradinnen und Kameraden.

Der Dienst war streng und forderte sehr viel körperliche Aktivität. Ein dreimaliges, unentschuldigtes Fehlen bedeutete den Ausschluss aus dem Roten Kreuz. Die Kameraden waren verpflichtet, das SA-Sportabzeichen nachzuweisen.

19.05.1935 - Zeltaufbau

 

 

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Der erworbene Krankenwagen, der uns drei Jahre ein treuer Helfer war, musste wegen Altersschwäche abgesetzt werden. Einen ähnlichen erwarben wir uns wieder auf die gleiche Weise wie den ersten Wagen. Leider wurde er uns von der Sicherstellungskommission des Kreis Böblingen, zu diesem wir ab 1938-39 zählten, vor Kriegsende April 1945 abgenommen.

11.05.1935 - Nach dem Mittagessen002 11.05.1935 - Mittagessen

Dieser Wagen wurde im Herbst 1945 in Isny durchschossen aufgefunden. Er wurde zur Reparatur nach Böblingen transportiert und als erster Krankenwagen erneut im Kreis Böblingen eingesetzt. Er war Eigentum des DRK der Stadt Waldenbuch. Alle Krankenfahrten des Kreis Böblingen wurden damit durchgeführt.

Die Jahre 1939-45 bedeuteten für uns harte Arbeit, da viele Kameradinnen und Kameraden zum Wehrdienst herangezogen wurden und so ein kleiner Helferkreis große Aufgaben lösen musste.
Die restlichen Helferinnen und Helfer, sowie die Besetzung des Krankenwagens, wurden auch zu Diensten im Stuttgarter Hauptbahnhof herangezogen, um Urlauber und Lazarettzüge zu betreuen.

Der Krankenwagen war auf dem Dach mit dem RK-Zeichen versehen, trotzdem wurden wir einmal auf Dienstfahrt von Tieffliegern beschossen. Bei einem Luftangriff auf Magstadt und Maichingen fuhren wir allein in einer Nacht 32 Verletzte nach Herrenberg ins Krankenhaus. Auch Geburten im Krankenwagen waren keine Seltenheit.

Wir atmeten alle auf, als der Krieg zu Ende war. Leider blieben auch einige Kameraden von uns auf dem Schlachtfeld.

 

1945 – 1950

1945 wurde alle Vereine, die dem NS-Regime unterstellt waren, so auch das Rote Kreuz, aufgelöst.

Der von der französischen Besatzung kommissarisch bestimmte Bürgermeister und Fabrikant Alfred Ritter, wurde beauftragt, die Ortsgruppe neu zu gründen, da die Besatzungstruppen einsahen, dass eine DRK Ortsgruppe notwendig war.

Mit einigen alten Kameradinnen und Kameraden begannen wir nun die Arbeit wieder aufzunehmen. Als Leiter der Gruppe wurde Hugo Hechler bestimmt. Durch seine Organisation und Umsichtigkeit wurden die vielen schweren Aufgaben wie Flüchtlingstransporte, Heimkehrerfragen, Krankenpflege usw. mustergültig gemeistert.

Die Arbeit war besonders schwierig, da in unserer Stadt ein Arzt fehlte. Wir erfuhren aber bald, dass ein solcher in Waldenbuch zu Besuch war. Vorstand Hechler suchte ihn auf und bat ihn um seine Hilfe. Er erklärte sich sofort bereit, sich der Schwerkranken und Flüchtlingen anzunehmen und arbeitete in vorbildlicher und kameradschaftlicher Weise mit uns zusammen. So fasste Dr. Gerlach in Waldenbuch Fuß und wurde unser Bereitschaftsarzt.

Neben der Betreuung von Kranken und Verletzen kam weitere Arbeit in Form von Flüchtlingsbetreuung (Einkleidung), Heimkehrerbefragung, Durchführung einer siebenjährigen Schulspeisung oder Weihnachtsfeiern für die Alten und Bedürftigen auf uns zu.
Dank der aktiven Mitarbeit unserer Kameradinnen und Kameraden und neuer Mitglieder konnte die Arbeit bewältigt werden.

Unser Zeugwart Johannes Landenberger und seine Frau, die zu dieser Zeit Bereitschaftsleiterin war, lagerten DRK-Ausrüstung und Material bei sich zu Hause. Material und Ausrüstung wurden von Jahr zu Jahr mehr, so dass nach einer neuen Lösung gesucht werden musste.

Wir fragten unseren Ehrenvorstand Bürgermeister Blümlein um Rat und stellten, auf seinen Vorschlag, den Antrag an die Stadt, uns einen günstigen Bauplatz zur Verfügung zu stellen, um darauf ein Bereitschaftshaus zu bauen.

Dankenswerter Weise bekamen wir von der Stadt nicht nur einen Platz auf der hiesigen Gänswiese zur Verfügung gestellt, sondern auch das Bauholz dazu. Die hiesigen Handwerker unterstützten uns mit weiteren Materialspenden. So waren wir in der Lage in ehrenamtlicher Arbeit das Bereitschaftshaus zu erstellen, sowie die Inneneinrichtung notdürftig herzurichten. Damit hatten wir das erste eigene Bereitschaftshaus im Kreis Böblingen. Im Laufe der Jahre konnten wir Uniformen und Verbandstaschen anschaffen und die Inneneinrichtung weiter ausbauen.

 

1950 – 1965

1951 bekamen wir wieder einen gebrauchten Krankenwagen, da der alte wegen Altersschwäche nicht mehr einsatzbereit war. Dieses Fahrzeug fuhren wir neun Jahre bevor wir es – ebenfalls altershalber – aus dem Verkehr ziehen mussten.

Am 14. März 1958 führten wir den ersten Blutspendetermin in Waldenbuch und damit einen der ersten im Kreis Böblingen durch. 53 Spenden kamen damals zusammen. Zwei Jahre später wurde der nächste Blutspendetermin durchgeführt: Am 9. März 1960 konnten schon 115 Spenden gezählt werden.

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Der Ortsverein stellte anlässlich unseres Jubiläums 1960 – 25 Jahre Sanka und 30 Jahre Ortsverein – bei der Stadt den Antrag, ein fabrikneues Fahrzeug in Dienst zu stellen. Stadtverwaltung und Bevölkerung erkannten die Notwendigkeit und ermöglichten durch großzügige Spenden die Beschaffung eines neuen Sankas. Dieses neue Fahrzeug ermöglichte es uns schnell Hilfe zu leisten, dadurch konnte manches Menschenleben gerettet werden.

 

Ein Jahr nach dem Kauf des Krankenwagens wurde ein dazugehöriger K-Anhänger gebaut und eingerichtet.
Für den Katastrophenfall waren wir noch nicht vollständig ausgerüstet und beschlossen, ein K-Fahrzeug, in Form eines VW-Busses, zu bauen, das im Mai 1964 als erstes im Kreis Böblingen in Dienst gestellt wurde.

Im Frühjahr 1965 konnten wir für das gesamte Stromaggregat, den Scheinwerfern und den Feldtelefonen einen zum K-Bus gehörenden Anhänger bauen. Mit Fahrzeugen und Versorgungsmitteln war der Ortsverein Waldenbuch nun vollständig ausgerüstet.

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Beim Bau der Turn- und Festhalle bekamen wir einen Dienstraum zugeteilt, den wir selbst einrichteten. Dieser Raum war für Sportplatzdienste und Vereinsfeste notwendig.

Von der Stadt Waldenbuch wurden uns zwei geheizte Garagen zur Verfügung gestellt, die wir im Herbst 1964 einweihen konnten.

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1965 – 1970

Im Jahr 1965 hatten wir 45 aktive Helfer und 141 Fördermitglieder.
Einer unserer größten Einsätze in diesem Jahr war der Grossbrand bei der Firma Ritter. Über 40 Personen wurde Erste Hilfe geleistet. Unsere Kameraden waren von 4 Uhr morgens bis 13 Uhr an der Einsatzstelle. Die Helferinnen schenkten etwa 100 Liter Tee aus und verteilten belegte Brote an die eingesetzten Feuerwehren und sonstigen Helfer.

Der Präsident des DRK, Staatssekretär Hans Ritter von Lee, verlieh am 17. Dezember 1965 an Hugo Hechler das Ehrenzeichen des DRK für besondere Leistungen und Verdienste.

Am 20. August 1966 wurde unser Bereitschaftshaus vom Hochwasser überflutet, der Schaden betrug 1.420 DM. Die Kameradinnen und Kameraden waren viele Stunden im Einsatz, da auch andere Häuser und Strassen vom Hochwasser betroffen waren.

Als die Bevölkerung im Dezember 1966 zur Röntgenreihenuntersuchung aufgerufen wurde, waren wir auch wieder im Einsatz.

Zehn Bänke, in ehrenamtlicher Arbeit von uns hergestellt, wurden am 29. Juni 1967 an markanten Punkten der Stadt Waldenbuch aufgestellt Diese fanden bei der Bevölkerung großen Anklang.

Das deutsche Fernsehen führte 1968 Filmaufnahmen in der Surre durch. Der Ortsverein wurde gebeten den Sanitätsdienst und die Verpflegung zu übernehmen. Der Dienst wurde auch zur Zufriedenheit der Schauspieler (z.B. Oskar Heiler und Willi Reichert – auch als Häberle & Pfleiderer bekannt) durchgeführt.

Ein neuer Großeinsatz rief im Juni 1969 die Bereitschaft zu einem Großbrand mit Wasserschaden in die Glashütte. 17 Kameraden waren die ganze Nacht und den folgenden Morgen in vollem Einsatz.

 

1970 – 1990

Im Jahr 1971 bestand der Ortsverein aus 44 aktiven Helfern und 152 Fördermitgliedern. Neben der Mithilfe bei der Blutspende und vielen Sanitätsdiensten übernahmen wir in diesem Jahr auch die Essenausgabe für über 300 Personen bei Waldläufen.

Hugo Hechler

Der Ortsverein erlitt im Jahr 1977 einen herben Verlust: Am 23. Juli 1977 verstarb Hugo Hechler. Mit ihm verloren wir eine herausragende Persönlichkeit.

Schon früh gab es Überlegungen über alternative Räumlichkeiten für das DRK. Angedacht wurden zwei Varianten: Sollte das DRK in die ehemaligen Räume der Feuerwehr im Rathaus ziehen oder beim Bau der neuen Feuerwehr-Unterkunft ebenfalls Räume erhalten.

1983 zogen wir dann ins Rathaus, was mit einem Tag der offenen Tür gefeiert wurde. Unser bisheriges Bereitschaftshaus auf der Gänswiese, das entschädigungslos an die Stadt überging, wurde 1987 abgerissen.

Anlässlich des 60-jährigen Ortsvereinsjubiläums wurde am 29. Juni 1990 das Jugendrotkreuz Waldenbuch gegründet.

Die üblichen Aktivitäten unseres Ortsvereins waren neben den Blutspendeterminen und der Mithilfe bei Impf- und Röntgenuntersuchungen, Sanitätsdienste bei Veranstaltungen, Durchführen von Erste Hilfe Kursen sowie kleinere und größere Einsätze z.B. bei Verkehrsunfällen oder Bränden.

 

1990 – 2005

Seit den 90er Jahren gab es immer mehr Spannungen in der Bereitschaft. Die Bereitschaftsleitung klagte über Mitgliederschwund. Diese Phase verstärkte sich, bis sie 2003 eskalierte. Der Kreisvorstand benannte Kreisbereitschaftsleiter Reiner Kegreiß als Notvorstand. Dieser trug die Vorstandschaft seinem Stellvertreter Carsten Moll an.

Im folgenden Jahr 2004 wagte der Ortsverein unter dem neuen Vorstand Carsten Moll den Neuanfang. Seither versuchen die verbliebenen aktiven Helfer die Bereitschaft wieder aufzubauen. Dabei haben wir viel Hilfe von anderen Ortsvereinen erhalten.

Als äußeres Zeichen des Neuanfangs wurde im Herbst 2004 begonnen, die Unterkunft zu renovieren. Ein weiteres Symbol war die Anschaffung eines neuen Krankenwagens, da der alte Krankenwagen, Baujahr 1983, nicht mehr zuverlässig einsatzbereit war.

 

2005 – heute

Seit 2005 hat der Ortsverein Waldenbuch ein bemerkenswerten Aufwind erhalten. Die Bevölkerung und die Waldenbucher Vereine haben die Anstrengungen honoriert, die der Ortsverein in den Wiederaufbau gesteckt hat.

Nicht nur die Zahl der aktiven Mitglieder hat sich von 3 (01/2004) auf 13 (10/2007) erhöht. Auch die Zahl der Fördermitglieder hat sich wieder auf einem erfreulichen Niveau stabilisiert.

Auch das Dienstaufkommen wächst ständig. Wir sehen dies als Zeichen, dass die Bevölkerung den Dienstleistungen des Ortsvereines vertraut. Als große Dienste hatte der Ortsverein die Einweihung des Museum Ritter (09/2005), sowie das 60 Jährige Jubiläum der Haka-Werke und HK Schlotz (08/2006).

Seit Oktober 2007 stellen die Ortsvereine Steinenbronn und Waldenbuch gemeinsam eine Helfer-vor-Ort Gruppe die in den Orten Steinenbronn und Waldenbuch. Diese Helfer werden Zeitgleich mit dem Rettungsdienst alarmiert und übernehmen die medizinische Erstbetreuung der verletzten bzw. erkrankten bis der Rettungsdienst eintrifft.