DRK Waldenbuch

Für Sie aktiv in Waldenbuch – Aus Freude am Helfen

Eingetragen von Björn Henzler am 23.06.2017

Menschen sind von Natur aus neugierig. An einem Unfall vorbeizufahren, ohne doch mal schnell zu schauen was passiert ist fällt niemandem leicht. Verständlich. Aber was unsere Helfer vor Ort gestern Nacht bei einem Notfalleinsatz miterlebt haben hat uns leider mit erschreckender Deutlichkeit aufgezeigt, dass die zunehmenden Berichte über Zwischenfälle mit Schaulustigen und unbelehrbaren „Gaffern“ nicht nur Randbemerkung aus der Zeitung sind, sondern leider auch bei uns in Waldenbuch immer öfter die traurige Realität sind wenn etwas passiert ist.

„Volksfeststimmung“ an der Einsatzstelle

Was stimmt denn mit solchen Leuten nicht, wenn sie die wenigen Ersthelfer unter den weit über 50 Anwesenden beim Helfen noch anschreien und behindern? Und was sagt es über unsere Mitmenschen aus, wenn man bei einem nächtlichen Verkehrsunfall gefühlt mehr „interessierte Bürger“ antrifft als bei einem Stadtfest oder der Hauptübung der örtlichen Hilfsorganisationen? Wie kommt es, dass unsere Helfer bei Notfällen, wenn sich diese nicht hinter verschlossener Haustür abspielen, schon während der Anfahrt zur Einsatzstelle die Möglichkeit haben auf Facebook Informationen zum Unfallhergang zu erhalten, vor Ort aber selten jemand Bereit ist auch nur mit anzupacken und stattdessen lieber seine WhatsApp-Kontakte darüber informiert was gerade passiert ist? Was passiert mit diesen hunderten von Bildern, die entstehen wenn sich unsere Helferinnen und Helfer an der Einsatzstelle direkt im Blitzlichtgewitter der Smartphonekameras zwischen Verletzten und „Volksfeststimmung“ wiederfinden? Was denken sich Eltern, wenn sie mit ihren Kindern in der ersten Reihe stehen um die Versorgung und Untersuchung von Verletzten zu beobachten? Wer hat gesagt dass es in Ordnung geht sich nach der Bitte das unmoralische Filmen eines Notfalleinsatzes zu unterlassen einfach ans andere Ende der Unfallstelle zu stellen und weiter zu filmen? Und mit welcher Reaktion rechnen Jugendliche, die plötzlich zwischen Patient, Notarzt und Rettungsgerät stehen, um „mal schnell zu schauen was da los ist“? Diese Aufzählung ist nicht abschließend und stammt auch nicht etwa aus gesammelten Einsatzberichten sondern zählt alleine Situationen auf, wie sie heute Nacht bei diesem einzigen Einsatz passiert sind. Traurig, oder?

Und was kommt als nächstes? Live-Übertragung direkt in die Sozialen Medien? Spezielle Helfer, die für die Gafferbetreuung ausgebildet werden müssen? Snackverkäufe und Kaltgetränke an der Einsatzstelle? Bitte nicht bei uns…

Was an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben soll ist unser Dank an die Ersthelfer, die mit ihrer tatkräftigen Unterstützung ein kleiner Lichtblick an diesem doch etwas „verstörenden“ Abend waren. Vielen Dank auch an den Kameraden und Kollegen unserer gemeinsamen „Helfer-vor-Ort“-Gruppe vom DRK Ortsverein Steinenbronn, der Freiwilligen Feuerwehr Waldenbuch, des Rettungsdienstes und der Polizei für die professionelle Zusammenarbeit. Die beste Genesung wünschen wir natürlich allen Betroffenen.

Und an alle, die Sich an dieser Stelle natürlich nicht angesprochen fühlen wollen, aber doch irgendwie ausversehen vor Ort waren:

Anstelle Fotos zu machen, auf Facebook weitere Gaffer an die Einsatzstelle zu locken oder einfach nur im Weg zu stehen freuen sich die örtlichen Hilfsorganisationen über neue, engagierte Mitglieder, die im Notfall Rund um die Uhr bereit stehen um ihren Mitmenschen in Not zu helfen. Nicht mit Smartphone und in Flipflops, sondern in Einsatzkleidung und dem richtigen Know-How.

P.S.: Während dieser Beitrag geschrieben wird sind unsere ehrenamtlichen Helfer schon wieder unterwegs, um beim nächsten Notfall Hilfe zu leisten. Diesmal zum Glück hinter verschlossener Haustüre.

Weitere Informationen

Die Pressemeldung der Polizei finden Sie hier, für den Einsatzbericht der Feuerwehr Waldenbuch bitte hier klicken.

Einen Bericht der Kreiszeitung „Böblinger Bote“ zum Unfall gibt es hier.

Für mehr Informationen über unsere Helfer vor Ort in Waldenbuch und Steinenbronn klicken sie hier.